Verschämte Arme braucht das Land

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Arbeitslos ist nicht gleich arbeitslos. Es kommt immer auf die Gesinnung an.

Denn gerade wie bei der communalen und privaten Armenpflege stets das Hauptaugenmerk darauf zu richten ist, daß die wirklich Armen, und dazu gehören alle sogen. verschämten Armen, nicht unter der Unterstützung der unverschämten, das Armenbudget und die Wohltätigkeit rücksichtslos ausbeutenden Armen zu leiden haben, so wird auch jede Erhebung über Arbeitslose in erster Linie das Ziel im Auge haben müssen, den ehrlichen, strebsamen, fleißigen, brotlos gewordenden Arbeiter anders zu behandeln, als jenes arbeitsscheue Gelicht, das stets die Arbeit flieht, aber mit der »Arbeitslosigkeit« geschäftsmäßig hausieren geht.

Arbeitslose, die nicht demütig »vergelt’s Gott« murmeln, wenn man ihnen Wohltaten wie Arbeitslosengeld oder ein Almosen bei einer Tafel gewährt, sind nicht nur undankbar, sondern immer auch arbeitsscheu und politisch unzuverlässig. Man darf sie nicht mit den anständigen Armen in einen Topf werfen.

Da es nun keinem Zweifel unterliegt, daß sich unter den letzteren [=Arbeitslosen] auch eine große Anzahl Arbeitsscheuer befindet, die gewohnheitsmäßig in den Zeiten der Arbeitslosigkeit das große Wort führen und bei öffentlichen Kundgebungen und Aufzügen die erste Rolle spielen, so hat man bei der Aufstellung einer »Arbeitslosen-Statistik« mit der größten Vorsicht zu Werke zu gehen.

Das Ganze hat einen volksmoralischen Hinterggrund, der leider durch gefühlsduselige Verharmlosung aus dem Zentrum der Betrachtung schwindet.

Deshalb muß hier einmal mit der Fackel der Wahrheit in die Verhältnisse hineingeleuchtet und die Spreu der Arbeitsscheuen von dem Weizen der Arbeitslosen gereinigt werden.

Dass man heutzutage keinen Schwarzen Winkel mehr braucht, leuchtet ein. Heute reicht der Stempel  »Hartz-Ⅳ« oder »Asylant« auf der Stirn oder das Kürzel  »Nafri« in der Polizeiakte².

Zacharias Zorngiebel

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¹ Alle Zitate aus dem Artikel »Arbeitslos und arbeitsscheu.« der Kölnischen Zeitung vom 5. November 1901.

² In diesem Zusammenhang einen schönen Gruß an die FDP/ML³

³ Das Dreiparteinystem gliedert sich in CDU und SPD, sowie der FDP in die Abteilungen FDP/C [Classic = Gelb], FDP/M [Müsli = Grün], FDP/I [Internet = Orange] und FDP/ML [Marxisten/Leninisten = Rot]

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Foto: August Sander: Arbeitsloser.

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