Wem nützt „cui bono“?

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Traugott von Teckel zu Trutzenburg Thalbach – Ein Dackel von Welt!

— von Zacharias Zorngiebel —

Es ist etwas passiert. Etwas Schlimmes, ein Verbrechen, ein kriegerischer Akt, was auch immer. Natürlich weiß man nicht, wer es war — man tappt im Dunkeln.

Sicher, es gibt die üblichen Verdächtigen. Einer davon wird es schon gewesen sein, aber wer? Beweise liegen entweder nicht vor oder sind gefälscht. Zeugen widersprechen sich und verfolgen eigene dunkle Ziele. Ein Teil der Experten ist ratlos und gekauft der Rest ist gekauft und lügt.

In solch einer Lage hilft dem gebildeten Kriminologen¹ und politischen Analysten² das bewährte Prinzip des cui bono³. Es ist so einfach: Wem es nützt, der war es.

Man kann die Motive natürlich kaum kennen, wenn man den Täter nicht kennt, aber dieser Mangel lässt sich einfach ausgleichen. Das Prinzip heißt Itetation:

Motiv  → cui bono → Täter

Nun setzt man für Motiv solange alles ein, was man sich ausdenken kann und findet schnell und zuverlässig den oder die Täter.

Steht der Täter schon fest, da aus ideologischen, politischen, religiösen oder sonstigen Gründen nur dieser Eine in Frage kommt, dreht man das Verfahren einfach um und sucht nach Motiven, die man dem überführten Täter zueignen kann.

Der Ausgewogenheit halber sei hier auf die höchst irrige Meinung einiger Verschwörungstheoretiker hingewiesen, die neuerdings das angebliche Prinzip cum hoc ergo propter hoc⁴ anführen, welches in Wirklichkeit nur beweist, dass Latein auch keine Lösung ist.

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¹ Für versierte Kriminologen stehen zur Weiterbildung einige bewährte Werke zur Auswahl. An erster Stelle sei Sherlock Homes genannt, den Meister aller Logik. Aber auch die fachlich einwandfrei gestaltete Fernsehreihe Tatort leistet beachtliches. Für den täglichen Nachschlag wird die kompetente und akribisch genau ermittelnde Investigativredaktion der Bild-Zeitung wärmstens empfohlen.

² Politische Analyse ist neben der Bundesligafachdiskussion die Königsdisziplin des verständigen Bürgers. Eine Literaturliste muss mit Sorgfalt zusammen gestellt werden. In Frage kommen einige Werke des Kopp-Verlages sowie einschlägige Schriften namhafter Autoren, die hier aufzuführen müßig wäre — man kennt die Herrschaften zur Genüge. Auch für Politologen empfiehlt sich für das tägliche Streben nach Vervollkommnung die sorgfältige Lektüre der Bild-Zeitung.

³ Cui bono, lat., wem zum Vorteil, meist mit wem nützt es zitiert. Cicero bewies damit schon vor über zwei Jahrtausenden die Schuld eines Mörders. Das Prinzip muss daher als gesichertes Altes Wissen anerkannt werden.

⁴ Cum hoc ergo propter hoc, lat., mit diesem, folglich deswegen, soll einen Fehlschluss anzeigen. Da dies aber dem gesichterten Prinzip des cui bono widerspricht, muss cum hoc ergo propter hoc selbst ein Fehlschluss sein.

Traugot von Teckel zu Trutzenburg-Thalbach

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Bild: Traugot von Teckel zu Trutzenburg-Thalbach

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