Dieter Thoma wird 90

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Um zu beschreiben, wer Dieter Thoma ist, genügt ein einfacher Satz:

Dieter Thoma ist ein prägender Teil meiner Kindheit und Jugend.

Dieser einfache Satz bedarf wohl der Erklärung. Wir hatten kein Fernsehgerät, sondern ein Radio, fast so groß wie ein Fernseher. Damit unterschieden wir uns nicht von der Mehrzahl der Menschen. Das Radio war wie später das Fernsehen und heute das Internet: Wir saßen konzentriert davor, hörten Sendungen interessanter Menschen, statt uns vom Geschwätz drittklassiger Moderatoren berieseln zu lassen. Die Musik zwischen den Wortbeiträgen war nicht die Hauptsache, sie gab uns aber Zeit, das gehörte zu reflektieren und vielleicht auch kurz zu diskutieren.

Wer Dienstanweisungen nicht kennt, bringt sich um das Vergnügen, gegen sie zu verstoßen.

WDR 2 war Der Sender und das Mittagsmagazin war neben Zwischen Rhein und Weser für mich die Sendung. Aber es waren mehr als Sendungen, es war meine Heimat, zumindest ein Teil davon.

Der sonore Ton aus den Hörfunkstudios mit ihren Neumann-Mikrofonen. Der Ritus der auf die Sekunde pünktlichen Nachrichten, die Ansage der folgenden Sendung, die Verläßlichkeit. »Hier ist der Westedeutsche Rundfunk mit seinem zweiten Programm.« Jeden Tag X mal gehört, jedes Mal gleich und doch immer wieder anders.

Dieter Thoma erfand das Mittagsmagazin und er moderierte es auch zusammen mit vielen anderen mir nur durch ihre Stimme vertrauten Menschen wie Rolf Buttler (1926-2011) oder Lothar Dombrowski (1930-). Legendär Klaus Jürgen Haller (1940-2001) mit seiner Anmodeation »Guten Tag, meine Damen und Herren, guten Morgen, liebe Studenten«, was das Publikum (mit Ausnahme der Studenten) doch sehr positiv aufnahm.

Ein einfaches Problem kann unlösbar gemacht werden, wenn man ausreichend viele Konferenzen darüber abhält.

Es gab viele Hörfunkpioniere, Dieter Thoma war einer davon! Viele der heutigen Verantwortlichen, von der Hörfunkdirektorin des WDR bis hin zu den piepsmäusigen Moderatoren demontieren den Hörfunk. Das ist eine hochpolitische und gesellschaftlich bedeutende Entwicklung. Und es ist für mich eine private Entwicklung:

Thoma hat mir eine Heimat gegeben.
Spätere Radiomacher haben mich aus dieser Heimat vertrieben.

Zacharias Zorngiebel


Mikrofon: By Michael Rhys (http://flickr.com/photos/michaelrhys/40428909) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

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